Herzlich willkommen auf der Modellbahnseite
von Dieter Holtbrügger

1. Schritt:

 

Schon mehrfach wurden Loks der V100-Familie umgebaut und remotorisiert. So entstanden unter anderem aus 5 Loks der V100.10 durch Umbau bei Mak/ Vossloh neue Maschinen mit der Baureihenbezeichnung DH 1004.

Auf der Webseite „Loks aus Kiel“ findet man zu allen fünf Loks die Historie. Da ich aus Duisburg komme und Moers und die NIAG nur einen Katzensprung entfernt sind, habe ich mich zum Nachbau der „NIAG 4“ entschieden.

Die ursprüngliche Lok war V 100 1162. Sie wurde im Oktober 1962 in Dienst gestellt und 1988 ausgemustert. Danach gelangte sie zu diversen Unternehmen, bevor Vossloh in Moers die Lok 1996 zur DH 1004 umbaute. Dabei wurden Antrieb und Drehgestelle beibehalten. Äusserlich erhielt die Lok aber dafür einen Aufbau, der denen der G1205 ähnelte und auch der alte V100-Rahmen wurde angepasst. Am 17.09.1997 gelangte die Lok dann zur NIAG, wo sie bis heute im Einsatz ist. Aktuell trägt die Lok die Nummer 92 80 1209 001-7 D-NIAG .

Ziel des Umbaus ist Lok 4 der NIAG

Durch Zufall stieß ich im Spur1-Forum auf Facebook auf Dirk Neumann. Er hatte ein Gehäuse als 3D-Druck gefertigt kam aber nicht dazu, die Lok umzubauen und bot so das Gehäuse zum Kauf an. Das Resultat dieser Aktion war, dass er nicht nur diese Gehäuse verkaufen konnte, sondern auch noch diverse Zusatzaufträge, so auch meinen, erhielt. Inzwischen liegen mir alle Umrüstteile und auch das Gehäuse vor und der Umbau kann beginnen.

Doch mit nur mal eben das alte Gehäuse abschrauben und das neue Gehäuse lackieren und Aufsetzen ist es nicht getan. Am Rahmen sind einige Änderungen durch zu führen. Über die Arbeitsschritte halte ich euch mit aussagekräftigen Fotos auf dem Laufenden.

Das Basis-Modell ist eine Märklin V100

Von der V100 (West) zur DH 1004!

2. Schritt (Stand Nov. 2016):

 

Der Umbau meiner DH1004 zieht sich ganz schön in die Länge, was an meinen vielen beruflichen und privaten Terminen liegt. Aber egal, mich hetzt ja keiner. Dennoch war ich in den vergangenen Wochen nicht inaktiv.

 

Zunächst einmal stellte ich fest, dass das neue Gehäuse auf Grund seiner Produktionsart des 3D-Drucks relativ rau ist. Im Prinzip ähnelt die Oberfläche der Lok einer Fläche neben einander liegender Styropurkugeln, oder einem Eierkarton. Das heißt, es gibt viele Vertiefungen die es gilt auszugleichen. Würde man das Gehäuse unbearbeitet lackieren, sähe es aus als hätte die Lok eine Gänsehaut.

 

Aber wie bearbeitet man die Vertiefungen am besten? Grundsätzlich hat man zwei Möglichkeiten:

1. Man trägt die erhabenen Schichten soweit ab, dass sie mit den tieferen Schichten wieder plan sind, oder

2. Man füllt die Vertiefungen auf, bis sie mit den oberen Schichten plan sind.

Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Denn dabei wird das Material nicht abgetragen und das Gehäuse behält seine Stabilität. Und nicht nur das. Durch das Auffüllen der Vertiefungen wird die Stabilität sogar noch erhöht.

Stellte sich anfangs nur die Frage: Womit fülle ich auf? Normale Spachtelmasse ich einfach zu grob. Sie würde auch andere Details, wie Scharniere oder Türgriffe mit abdecken und das spätere Freilegen wäre zu aufwändig. Die Lösung fand ich in einem insgesamt ehr schlechten Youtube-Video über die Bearbeitung und Lackierung von 3D gedruckten Modellen. Hier griff der Modellbauer auf Sprühspachtel zurück.

 

Sprühspachtel ist eine Spachtelmasse, die aus der Sprühdose, wie Farbe, aufgetragen wird. Sie ist hauch dünn und gelangt so in jede noch so kleine Vertiefung. Doch alleine das Auftragen der Sprühspachtel reicht nicht aus. Auch wenn die Vertiefungen nicht einmal einen mm betragen, so reicht doch nur „ein“ Auftrag nicht aus. Außerdem legt sich die Sprühspachtel ja auch auf die erhabenen Stellen, so dass ohne weitere Nachbearbeitung der Abstand wieder der gleiche ist und man nichts erreicht hat. Deshalb muss man mit dünnem Schmiergelpapier die Spachtelmasse von den erhabenen Stellen wieder abtragen. Dazu greife ich auf 800er Schmiergelpapier zurück. Das gesamte Gehäuse wird damit abgeschliffen, so dass jetzt nur noch die Spachtelmasse in den Vertiefungen übrig bleibt. Wurde das Gehäuse komplett abgeschmiergel, musses gründlich gereinigt, bzw. Entstaubt werden. Dazu greife ich auf einen Pinsel zurück. Ohne eine Reinigung würde sich der Staub der Spachtelmasse in alle Vertiefungen, auch die gewollten, absetzen. A pro por gewollte Vertiefungen. Türrahmen, Motorraumhauben etc sollen natürlich auch nach den Spachtelaufträgen sichtbar bleibe. Deshalb sollte man nach jedem zweiten Sprühvorgang die Spachtelmasse aus diesen Vertiefungen gezielt entfernen. Dazu eignen sich Gegenstände mit einer dünnen Metallspitze besonders gut. Steck- oder Sicherheitsnadeln hat jeder im Haushalt. Ich greife auf ein altes Zahnarztwerkzeug zurück.

Je nach Qualität des Modells sind zwischen 3 und 6 Sprühvorgänge durchzuführen. Erst dann ist das Modell glatt und zum Lackieren geeignet. Mein Dach war z.B nach nur 4 Schichten so glatt, dass nicht einmal mehr Watte daran hängen blieb.

Aber das Glätten des 3D-Drucks war in den vergangenen Wochen nicht alles. Durch Dirk Neumann erfuhr ich, dass allein aus Duisburg zwei weitere DH1004ler kommen. Kurzerhand wurde mit Ihnen Kontakt aufgenimmen und so trafen wir uns alle Drei im Oktober bei der IG-DU ( www.ig-du.de ). Gerade Sigi, der mit seiner DH1004 schon deutlich weiter ist als Frank und ich, konnte uns auf einige wichtige Dinge hinweisen. Dafür half ihm mein Tipp mit der Sprühspachtel weiter. Seit dem Treffen steht fest: es muss doch mehr als gedacht gefräst werden! Denn der Rahmen der V100 wird zwar beibehalten, muss aber dennoch angepasst werden.

 

Welche weiteren Anpassungen notwendig sind und welche Beschriftungen benötigt werden, dass konnte ich mir Ende Oktober dann live anschauen. Die NIAG in Moers was so freundlich mir die Besichtigung der originalen „NIAG 4“ zu ermöglichen und so konnte ich viele Detailfotos machen. Jetzt weiß ich genau, wo welche Anschriften hinkommen, wie groß sie sein müssen und was so im Einzelnen drauf stehen muss. Auch die Form und Größe des Schienenräumers konnte im Foto festgehalten werden.

 

Zum guten Schluss erreichte mich Ende Oktober ein weiteres Bauteil aus Dirk Neumanns Werkstatt. Der sehr schöne Führerstand mit einigen angedeuteten Instrumenten, vervollständigt das Modell. Aber auch an diesem werde ich noch vieles ändern. Zumindest habe ich es vor. Doch das hat noch Zeit.

 

In den nächsten Wochen gilt es erst einmal das Gehäuse ganz plan zu bekommen und vielleicht schaffe ich es ja noch in diesem Jahr mit den Fräsarbeiten anzufangen.

 

Ihr werdet es hier sehen und lesen

Deutlich ist auf dem Foto der Unterschied zwischen dem bisher nur einmal lackiertem Gehäuse und dem fertige Dach zu erkennen.

Der Führerstand der DH1004 vervollständigt den Umbausatz.

Drei DH1004ler unter sich (v.l.n.r.):
Frank, Dieter und Gisi

Details gab es beim Original auch auf den Aufbauten zu sehen.

3. Schritt (Anfang Jan. 2017)

 

Ende Dezember 2016 hatte ich endlich alle Schichten aufgetragen und dann das Gehäuse immer wieder glatt geschliffen. Nach insgesamt 6 Arbeitsschritten war das Gehäuse so glatt wie ein Kinderpopo.

Auf dem oberen, rechten Foto sieht man deutlich den Unterschied zwischen dem bearbeiteten Gehäuseaufbauten und dem umbearbeiteten Inneren des Führerhauses.

 

Mit den Fräsarbeiten am Rahmen habe ich allerdings noch nicht begonnen. Das hatte einen ganz einfach Grund. Nach der Kontrolle der gemachten Vorbildaufnahmen musste ich feststellen, dass der 3D-Druck zwar sehr gut geworden ist, aber zwei Details fehlen, die die NIAG 4 besitzt. Ob diese baulichen Änderungen auch an den anderen DH1004 vorhanden sind, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Die roten Pfeile beim Vorbild zeigen die Stellen.

 

Jetzt galt es zu überlegen wie hier vorzugehen ist.

Die ersten Versuche scheiterten. Dabei hatte ich versucht, die zus. Gravuren mit einer in einem Bohrständer eingespannten Maschine nachträglich in die betroffenen Gehäusestellen ein zu arbeiten. Doch das Gehäuse konnte nicht stabil genug eingespannt werden, so dass die Gefahr des Verrutschens sehr groß war. Dann habe ich versucht, die betroffenen Klappen auszuschneiden. Doch das ging nur bei der größeren Türe am Aufbau. Durch die inneren Versteifungen im Führerhaus konnten diese Klappen leider nicht ausgeschnitten werden.

Das untere Foto zeigt den aktuellen Arbeitsstand. An der Motorraumklappe wurde die zus. Türe und das zus. Gitter angraviert und im Anschluss wieder eingesetzt. Vorhandene Lücken wurden mit Kunststoffspachtel gefüllt. Noch sind aber nicht alle Stellen perfekt nachgearbeitet. Denn bevor man Korrekturen vornimmt, muss die Spachtel ausgetrocknet sein. Außerdem muss ich verhindern, dass keine Spachtelmasse in die neuen Gravuren gerät. Bei der Klappe am Führerhaus wurden die bereits aufgesägten Stellen von Ihnen wieder zugespachtelt, um die alte Stabilität wieder her zu stellen. Auch hier muss noch gezielt nachgearbeitet werden. Die beiden zusätzlichen Lüfter habe ich dann einfach aus Resten meiner Bastelkiste ausgeschnitten und mit Sekundenkleber aufgeklebt. Sie entsprechen zwar nicht exakt dem Vorbild, geben den Eindruck aber immer noch besser wieder als keine Klappen an diesen Stellen.

 

In der Zwischenzeit liegen mir auch die ersten Decals vor. Aus technischen Gründen musste Andreas Nothaft den vollständigen Satz aber in zwei Schritten herstellen. Wie man an den Bildern aber sehen kann, dauert das Anbringen der Decals auch noch etwas, so dass hier keine Eile geboten ist.

 

Sobald nun die letzten Stellen am Aufbau nachgearbeitet wurden, werde ich mit den Fräsarbeiten beginnen. Hier werde ich auf die Geräte eines befreundeten Modellbauers zurück greifen. Darüber dann aber mehr im nächsten Bauabschnitt.

4. Schritt (Ende Januar 2017)

 

Mitte Januar 2017 habe ich mit den Fräsarbeiten am Rahmen der Lok angefangen. Den alten Rahmen der Märklin-V100 galt es an diversen Stellen zu verändern.

 

Neben allen erhabenen Teilen auf dem Rahmen, mussten aber auch sehr viele kleine Dinge unter dem Rahmen und an den Seiten weg gefräst werden. Viel mehr, als man zunächst vermutet,

 

Doch bevor man mit dem Fräsen anfangen konnte, mussten die alten Handläufe abmontiert werden. Später folgten dann auch noch die Puffer. Gut, dass all diese Teile angesteckt sind und sich leicht abziehen lassen.

 

Jetzt ging es ans Fräsen. Egal ab es die Aufstiege am Tank auf der einen Seite des Rahmens, oder die Leiter auf der anderen Seite war. Egal ob es Halterungen für Schrauben, oder nur Pinne und Schwellen zur besseren Justierung des alten Aufbaus waren. Alles musste plan gefräst werden.

 

Die jetzt noch vorhandenen, oder durch das Fräsen entstandenen Vertiefungen, gilt es nach Abschluss aller Fräsarbeiten bei zu arbeiten.

 

Meine Idee, auf die Fräse eines Freundes zurück zu greifen, zurschlugen sich aber leider. Sein Gerät war nicht groß genug um den massiven Rahmen einer Spur 1-Lok aufnehmen zu können. Gevatter Zufall half mir dann. In einem privaten Gespräch mit einem meiner Firmenkunden bot dieser mir spontan seine Hilfe an. In seinem Industriebetrieb gibt es genug große und leistungsstarke Feinfräsen, für die der Rahmen nur ein einfaches „Aufwärmprogramm“ ist. Und so konnte Ende Januar, in nur wenigen Minuten, auch der massive Teil des Rahmens abgefräst werden.

 

Das hat mir jede Menge Zeit und Mühe erspart.

 

In den nächsten Wochen werden Aufbau und Rahmen glatt geschliffen und letzte Ungenauigkeiten beseitigt. Dann erhalten alle Bauteile ihren ersten Farbauftrag, die Grundierung.

 

Bis das dann abgeschlossen ist, sind hoffentlich auch die technischen und elektronischen Bauteile eingetroffen. Denn die neue DH1004 soll einen ESU LokSound XL V4.0 und auch den passenden ESU-Rauchgenerator erhalten.

 

Denn nach dem Austrocknen der Grundierung und dem dann abschließenden Fehlersuchen, soll zügig mit der endgültigen Lackierung und dann mit dem technischen Aufbau begonnen werden.

 

A pro pro endgültig und abschließend. Zwischenzeitlich sind auch die noch fehlenden Decals von Andreas Nothaft eingetroffen. Er hat wieder eine tolle Arbeit abgeliefert und zusammen mit der Lackierung werden sie hoffentlich schon bald die NIAG 4 schmücken.

 

Aber bis dahin folgen noch ein Paar Veröffentlichungen.

5. Schritte (Mitte März 2017)

 

Während beim letzten Bauabschnitt das Problem mit den fehlenden Decals behoben werden konnte, traten neue Probleme auf. Wie auf dem nebenstehenden Foto ersichtlich ist, schliesst das Führerhaus nicht genau mit dem Rahmen der Lok ab. Das soll natürlich nicht so sein. 3mm fehlen auf jeder Seite. Beim recherchieren stellte ich dann fest, dass es offensichtlich zwei unterschiedlich breite Rahmen von Märklin für die V100-Modelle gibt und ich für den Umbau den falschen, breiteren Rahmen erwischt habe.

 

Doch bevor ich mich mit diesem Problem befassen konnte, galt es ein Zubehör zu erstellen. Ein anderer Mitbauer wies mich darauf hin, dass die Federung der Drehgestelle gegenüber der V100 verändert wurde. Der Aufbau dieser Feder war recht einfach. Kompliziert war hier nur, dass man ein Material finden musste, dass dick genug war um die Federn zu imitieren und gleichzeitig aber auch flexibel genug ist, um es mit einfachen Mitteln biegen zu können. Beim Fensterputzen stiess ich dann auf die Lösung. Blumendekodraht. Es hat den richtigen Durchmesser und ist flexibel genug. Der Rest wurde aus verschiedenen Messingprofilen gefertigt, wie man sie im Bastelzubehör findet. Nun galt es noch zu überlegen, wo man diese Feder am Sinnvollsten einsetzt. Zwei Möglichkeiten standen mir offen. Zum Einen konnte man sie direkt an den Drehgestellen befestigen und zum Anderen, unterhalb des Rahmens. Vorbildlicher ist das Anbringen an den Drehgestellen, doch muss man dann, um die Beweglichkeit der Drehgestelle auch weiterhin gewährleisten zu können, den Rahmen weiter auffräsen. Die Befestigung am Rahmen ist hingegen nicht ganz vorbildlich, beeinträchtigt dafür aber nicht die Beweglichkeit des Modells. Deshalb habe ich mich für diese Variante entschieden.

 

Nach dem Festkleber der zus. Federn, wurden die Handläufe am Rahmen befestigt. Zunächst legte ich die Handläufe auf den Rahmen und zeichnete die Stellen für die Bohrungen ein. Dann erfolgten die Bohrungen und abschließend wurden die Handläufe in die Bohrungen gesteckt und festgeklebt. Nach dem Abtrocknen des Klebers wurden überstehende Stifte abgeflext. Nur die Stangen für die Handläufe an den Aufstiegen blieben noch unverändert lang. Sie können erst beim Zusammebau angepasst werden.

 

Jetzt erhielt der Rahmen als erstes Bauteil sein Lackierung in einem matten Schwarzton. Das Ergebnis war sehr zufrieden stellend, auch wenn die Handläufe später noch das blau des Aufbaues erhalten werden.

 

Nun aber zum Führerhaus. Um für meine Lok die fehlenden 3mm auf jeder Seite weg zu bekommen entschloss ich mich, auf den flachen Seiten des Führerhauses, unterhalb der Fenster, eine passenden Kunststoffplatte aufzukleben. Mein Freund Thomas fräste sie mir aus und gravierte auch direkt die fehlenden, seitlichen Lüfter am Führerhaus auf einer Seite mit ein. Anschließend wurde die Platte beigeschliffen. Hier verlängerte ich die Winkel des oberen Teil des Aufbaus, dort wo die Fenster sitzen und verspachtelte den Rest.

 

Abschließend klebte ich noch das Dach der Lok auf. In den nächsten Schritten kann nun mit der Grundierung und Lackierung des Gehäuses begonnen werden. Mehr dazu dann im nächsten Bauabschnitt.

6. Schritt: Die Airbrush-Arbeiten (Stand Mitte April 2017)

 

 

Dieser Bauabschnitt ist sehr aufwändig, weshalb auch der Bericht der längste zu diesem Umbau sein wird. Also, nehmen sie sich etwas mehr Zeit fürs Durchlesen.

 

Nachdem viele kleinere, nur wenig sichtbare Arbeiten abgeschlossen sind, kann ich mit den Lackierungsarbeiten beginnen. Diese ziehen sich meist in die Länge, da viele der aufgetragenen Farben erst austrocknen müssen, bevor die nächste Farbe aufgetragen werden kann. Bedingt durch die geringe Zeit die mir immer dafür zur Verfügung steht, wird sich dies über ein paar Wochen hinziehen.

 

Zu Beginn der Lackierarbeiten war ich mir noch nicht ganz sicher, wie genau ich vorgehen werde. Zwei Dinge haben mich lange beschäftigt:

1. Benötigt der 3D-Druck eine Innenlackierung um das Durchscheinen von Licht etc. zu verhindern und

2. Lackiere ich die grünen Zierstreifen, oder greife ich auf die vorsichtshalber erstellten Decals zurück?

 

Bezüglich einer Innenlackierung war die Entscheidung schnell gefällt. Denn eine zus. Lackierung kostet nur etwas Farbe, schadet aber ansonsten nicht. Deshalb habe ich hier einen dunklen Grauton verwendet. Dieser Farbton passt auch in etwa zu der Farbgebung im Inneren des Führerhauses. Diese Arbeiten wurden Ende März durchgeführt.

 

Weiter ging es mit der Grundierung des Gehäuses von außen. Außerdem mussten noch ein paar andere Bauteile, wie z.B. die Lüftergitter grundiert werden. Bevor ich aber mit der Grundierung beginnen konnte, musste das Führerhaus, sowie die Fächer für die Lüfter, von Innen abgeklebt werden. Denn hier darf keine der Außenfarben eindringen. Dann ging es mit der Grundierung los. Hierzu habe ich auf ein mattes Lichtgrau zurückgegriffen. Damit wurde das Modell komplett deckend in mehreren Schichten lackiert. Nach dem Trocknen der Farbe konnte ich erstmals richtig feststellen, ob das 3D-Druck-Gehäuse richtig und gut abgeschliffen und ob die aufgesetzten Platten an dem Führerhaus richtig verspachtelt wurden. Es stellte sich heraus, dass ich gut vorgearbeitet hatte und nur geringe Korrekturen notwendig sind.

 

So konnte ich jetzt mit dem nächsten Lackierschritt fortfahren. Eine Binsenweisheit beim Lackieren ist: Von hell nach dunkel! Deshalb wurde jetzt das weiße Band an den Vorbauten aufgetragen. Die Bauchbinde zieht sich rund um die Lok wird aber an mehreren Stellen unterbrochen. An den Vorbauten kommen dort dann die Loknummern und am Führerhaus der Schriftzug „NIAG“ hin. Jetzt ist wieder das Abtrocknen abzuwarten.

 

War bisher kein Abkleben einzelner Farbschichten notwendig, wird es jetzt aufwändig und ein wenig kompliziert. Die Baubinde muss abgeklebt werden. Gerade bei den scharfen Abschlüssen an den Vorbauten und zum Führerhaus hin muss sehr exakt gearbeitet werden. Außerdem muss vor allen Dingen auf die Gravuren im Gehäuse, wie die Türen in den Vorbauten, geachtet werden. Hier sollte möglichst keine Farbe in die Rillen laufen. Für das Abkleben habe ich mir deshalb Zeit gelassen. Nach dem deckenden auftragen der blauen Gehäusefarbe, in mehreren Lackierschichten, muss auch für das Entfernen der Klebestreifen der richtige Augenblick gewählt werden. Ist die Farbe beim Abziehen noch zu feucht, kann sie anschließend noch verlaufen und verschmiert die Kanten, oder läuft doch in die Rillen. Ist sie aber schon ausgetrocknet, kann es beim Lösen des Maskierbandes zum Einreißen der Farbschicht kommen. Ist das Maskierband entfernt und auch das übrige Gehäuse von seiner Abdeckung befreit, muss die bis hierher aufgetragene Farbe richtig abtrocknen. Ich gönnte deshalb dem Modell mehrere Tage Ruhe und nahm es dafür auch mit nach Hause, denn meine Werkstatt ist unbeheizt, weshalb hier ziemliche Temperaturschwankungen und eine recht hohe Raumfeuchtigkeit herrschen.

 

Nicht weniger aufwändig war das Abkleben des Rahmens, denn schließlich sollten hier nur die Handläufe und auch der Rahmen abschließend lackiert werden. Nach einer unerwartet langen Vorbereitungszeit konnte dann mit dem finalen Lackieren begonnen werden. Gleichmäßig und in mehreren Arbeitsgängen wurde der Rahmen in einem Eisengrau und die Handläufe in Einzianblau mit der Airbrushpistole aufgetragen.

 

Der Vorteil der verwendeten LifeColour-Farben ist, dass sie sehr schnell antrocknen und normalerweise auch schon nach kurzer Zeit richtig ausgetrocknet sind. Deshalb war es mir schon kurz nach der letzten Lackschicht möglich, das Modell von seinen Klebestreifen zu befreien.

 

Damit waren die Lackierarbeiten aber noch lange nicht abgeschlossen. Denn einzelnes Zubehör galt es ebenfalls noch zu lackieren. Die Halteösen an den Vorbauten, das obere Lüftergitter, aber auch die Antennen und sonstigen Anbauteile. Außerdem erhielt der Führerstand seinen finalen Farbauftrag.

 

Weiter geht es mit dem Anbringen der Decals. Diese wurden mit allen Anschriften und Grafiken von mir am PC erstellt und dann von Andreas Nothaft nachgearbeitet und gedruckt. Da ich die grünen Zierstreifen nicht lackiert hatte, muss ich sie nun auch mit den vorsichtshalber direkt mitbestellten Decals aufbringen. Das Lackieren hätte zwar vielleicht die bessere Farbdeckung erzielt, aber dann hätte ich einen Farbunterschied zwischen Loknummer und Zierstreifen gehabt und das hätte nicht gut ausgesehen. Erst wenn alle Decals am Gehäuse und am Rahmen aufgebracht und die restlichen Details angeklebt wurden, kann mit Klarlack der letzte Airbruscharbeitsschritt aufgetragen werden.

 

Im nächsten Abschnitt geht es dann um den technischen Aufbau der Lok. Beginnend mit der Beleuchtung. Wobei das nicht ganz stimmt. Den Motor und die Drehgestelle habe ich zur besseren Abstützung des Rahmens bereits wieder eingebaut. Der weitere Zusammenbau beginnt aber erst später.

 

 

7. Schritt: optische Restarbeiten und erste Technik, Stand Ende Mai 2017

In diesem Schritt fasse ich mich recht kurz und beschreibe nur die Bilder. Denn oftmals sagen Bilder mehr 1000 Worte. Auf geht’s und viel Spaß.

Die Fenstereinsätze wurden von Dirk Neumann sehr passgenau hergestellt und so brauchte es nur ein paar wenige Schleifarbeiten um sie 100%ig passend zu bekommen.

Es fehlten jedoch die Dichtungen. Deshalb wurden Fenster ordentlich in der Mitte abgeklebt, so dass nur ein kleiner Rand frei blieb. Dieser wurde dann beidseitig in schwarz eingefasst.

Nach dem Entfernen der Schutzabdeckung ergab sich dieser hervorragende Bild. (rechts)

 

Während die weißen LED vom Leuchtkörper kurz genug waren, mussten die roten LED gekürzt werden. Dabei musste darauf geachtet werden, dass man den Lichtleiter nicht zerstört. Es ging aber alles gut. Um ein Durchscheinen der LED ins Innere der Lok zu verhindern, bzw. zu minimieren, wurden alle LED auf der Rückseite schwarz gestrichen. (Bild links)

Aber noch vor dem Einsetzen der LED erfolgten letzte Detailarbeiten am Rahmen. Die roten Pfeile (Bild rechts) zeigen die nachträglich an der Lok angebrachten Details. Von den Drucklufttanks gibt es drei. Auf einer Seite erhielt die Lok eine Kühlschlange.

 

Auch die Pufferbohlen wurden vorbildgerecht ausgestattet. Ebenso erhielt die Lok eine Einkerbung am Rahmen, oberhalb der Bügelkupplung. Diese war für den Betrieb mit einer AK, einer automatischen Kupplung gedacht.

Ebenso erhielt der Vorbau in Höhe des Lüfterrades zwei zus. Details, gem. dem Vorbild. (Bild links)

 

Nun wurden die LED eingesetzt. Die zwei roten, wie auch die drei weißen LED wurden jeweils in Reihe geschaltet. Die Widerstände sind hier noch nicht angeschlossen (Bild rechts). Nach dem Test der Beleuchtung wurden alle LED von Innen mit einer Kunststoffspachtelmasse abgedeckt. Dies verhindert, dass die LED ins Lokinnere scheinen. Das ist besonders am langen Vorbau wichtig, da die LED durch die großen, seitliche Lüftergitter ansonsten gut sichtbar wären.

 

Und so zeigen sich dann die weißen und die roten LED bei ihrem Test. Später, angeschlossen am Decoder, wird die Helligkeit individuell eingestellt.

Jetzt konnte mit dem Anschluss weiterer Technik begonnen werden.

 

Jetzt geht es an die Technik!

 

An den vom Hersteller vorgesehenen Stellen wurde ein kleiner 5Volt-Motor angeschraubt. Damit man den leuchtend silbernen Motor nicht durch die seitlichen Lüfter sieht, wurde er in einem matten Grau gestrichen.

Der Lüfter selber wurde nur aufgesteckt. Das kurze Video zeigt, dass der Lüfter recht schnell dreht und hier die Decodereinstellungen stark reduziert werden müssen.

 

Der von Dirk Neumann mitgelieferte Visaton-Lautsprecher passt exakt quer in den Vorbau. So kann der Klang durch die seitlichen Lüftergitter ungehindert nach außen dringen.

Sehr viel Zeit und Aufwand legte ich in den letzten Wochen auf den Führerstand. Er sollte möglichst vorbildnah, aber auch beleuchtet sein.

Dazu musste ich zunächst einmal von dem vorhandenen Führerstand eine Ebene abtragen, da diese für das Ebula-Gerät zu hoch war.

Danach nutzte ich die vorhandenen Vorbildfotos um die Armaturen und Anzeigen in richtigen Größe auszudrucken. Ich legte sie auf dem Führerstand auf und zeichnete mit einer spitzen Nadel genau die Stellen ein wo später die Beleuchtung sitzen muss.

Dann bohrte ich pro Führerstandsseite 7 unterschiedlich große Löcher. Durch diese Löcher steckte ich Lichtleiter in entsprechender Stärke. Gerade bei den Rundanzeigen/ Tache mussten diese schräg angefeilt werden. Unter dem Fahrpult wurden vier weiße, zwei blaue und eine orangene SMD platziert, direkt unter den jeweiligen Lichtleitern.

 

Nun leuchteten die Lichtleiter zwar, aber damit sah der Führerstand noch nicht vorbildlich aus.

Jetzt kamen wieder ausgedruckte Bilder zum Einsatz. Sie wurden passend auf den Führerstand geklebt. Das gilt auch für den unteren Teil des Führerstandes. Nur wurden hier am PC alle Hebel weg retuschiert, da diese durch passend dicke Drähte nachgebildet wurden.

dh1004-luefter.mpg

8. Schritt: alles fertig !!!!! Endstand Juli 2017

Vor fast genau einem Jahr bekam ich den Umbausatz von Dirk Neumann geliefert. Im Oktober 2016 begann dann der Umbau mit den ersten Arbeiten und jetzt, ein dreiviertel Jahr später ist er abgeschlossen.

Der Umbau hat tierisch viel Spaß gemacht. Das recherchieren des Vorbildes. Das Abgleichen des Modells mit dem Vorbild um immer wieder findet man noch was, was man ergänzen oder verbessern kann.

Doch jetzt ist es soweit. Die letzten Arbeiten sind abgeschlossen, alle Details verbaut und auch der Decoder und der Raucherzeuger sind eingebaut und vor allen Dingen programmiert. Die ersten Testfahrten bei der IG-DU hat die Lok absolviert und dort zeigten sich dann auch noch ein paar kleine Fahrfehler, die es durch abschließende Programmierungen zu beheben galt.

Jetzt ist die Lok fertig, offensichtlich die erste der von Dirk Neumann ausgelieferten Umbausätze.

Die abschließenden Fotos zeigen nicht nur die letzten Arbeiten, sondern auch sehr gut, wie doch recht ordentlich diese Lok sich im Vergleich zu Serienmodellen zeigt. Jetzt geht es ans supern meiner DHG 700 der „Betriebe der Stadt Mülheim an der Ruhr“ und was dann kommt: mal sehen!

Vielen Dank allen, die in der vergangenen Monaten meinen Umbaubericht gelesen haben und ihn auch auf Facebook etc. verfolgt haben.